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Gemeinsam mehr erreichen – Netzwerke im Einkauf nutzen

„Als Netzwerkorganisation bieten wir den Raum, um Erfahrungen auszutauschen, zu lernen und gemeinsam einzukaufen,“ so beschreibt Ingrid Lange, Geschäftsführerin des Netzwerk Industrie RuhrOst e. V. (NIRO), die Aufgaben des Vereins. Im Interview erklärt sie, wie NIRO hilft, die Kommunikation zwischen Unternehmen zu fördern. Außerdem:

  • Insights: Warum sich Netzwerken mit anderen Unternehmen lohnt
  • B2B News: Mehr über Netzwerke und Regionalität im Einkauf
  • Mercateo Initiativen: Unite vernetzt Einkäufer, Anbieter und Partner
  • Experten-Interview

    Ingrid Lange, Geschäftsführerin, Netzwerk Industrie RuhrOst e. V. (NIRO)

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    Die nächste Folge des B2B-Radar erscheint am 11.02.2021.

    Das Interview zum Nachlesen

    Hier können Sie das Gespräch mit Frau Lange in voller Länge nachlesen.

    Was tut NIRO und für wen ist es relevant?
    NIRO steht für Netzwerk Industrie RuhrOst. Es ist ein freiwilliger Zusammenschluss von in erster Linie inhabergeführten mittelständischen Unternehmen hier in der Region. Wir sind mittlerweile eine große Anzahl von Unternehmen. Der Zusammenschluss hat sich aus der Überzeugung ergeben, dass man bestimmte Dinge gemeinsam besser machen kann, als wenn man allein unterwegs ist. Dazu gehört zum Beispiel gemeinsam einzukaufen, aber auch gemeinsam zu lernen, und das in unterschiedlichen Formaten und Situationen. Was uns vielleicht ein bisschen abhebt oder anders macht als andere Netzwerke, ist unser Konkurrenzausschlussprinzip: Innerhalb unserer Branchen – Maschinenbau, Metallverarbeitung, Industrieelektrik, Industrieelektronik – lassen wir nur Unternehmen in unseren Verein hinein, die nicht im Wettbewerb zueinander stehen. Das ermöglicht natürlich eine sehr gute Vertrauensbasis, wo man sich offen austauschen kann und wo man nicht nur darüber redet, wie großartig man ist, sondern auch sagt: „O. K., das ist nicht so gut gelaufen, wie macht ihr das?“

    Das macht den Unterschied, zusammen mit der Idee, dass wir als Verein organisiert sind und es umsetzen bzw. unserem partizipativen Ansatz. Wir sind alle Mitglieder, alle sind gleich in der Organisation. Dadurch kommen gute Gespräche und ein gemeinsames Lernen zustande. Für uns sind die Handlungsfelder Marketing, Personal, Produktion, Innovation, Digitalisierung und natürlich auch der Einkaufspool besonders wichtig. In diesem Einkaufspool haben wir über 40 Rahmenverträge, die unsere Mitglieder gemeinsam entwickelt haben. Und von diesem Einkaufspool können noch andere Unternehmen profitieren, auch wenn sie nicht bei uns in der Region sind oder auch nicht in unsere Branchen hineinpassen.

    Können Unternehmen aus anderen Regionen am Netzwerk teilhaben?
    Das eine ist der klassische Verein mit dem klassischen Vereinsgedanken. Das heißt, dass man (in normalen Zeiten) sich gegenseitig besucht und die Produktion zeigt. Wir haben Arbeitsgruppen wie zum Beispiel „Arbeitssicherheit“, wo man sich auch gegenseitig die Konzepte vorstellt oder auch Begehungen macht, um einfach blinde Flecken innerhalb der Organisation zu entdecken. Dass ist der engere Kreis. Und dieser Kreis der Mitglieder entwickelt Rahmenverträge, die diese Mitglieder im Verein selbst auch nutzen können. Und wir sind auch oft angesprochen worden: „Mensch, an diesen Verträgen möchten wir auch partizipieren,“ hatten aber aufgrund unserer Satzung nicht die Chance, das Unternehmen zuzulassen. So haben wir das Netzwerk ein Stück weit, was die Rahmenverträge angeht, geöffnet und gesagt: „O. K., wenn ihr diesen Vertrag mitnutzen wollt, dann stärkt ihr damit die Einkaufsmacht unseres Netzwerkes und dann seid ihr herzlich willkommen.“ Und dafür gibt’s ein kleines Nutzungsentgelt – und auch andere Unternehmen aus anderen Regionen oder anderen Branchen können dann mit uns sparen.
    Netzwerke in Krisenzeiten – Wie war 2020 für Sie?
    Völlig gemischt! Zum einen total spannend und auf der anderen Seite super anstrengend. So ging es wahrscheinlich vielen von uns. Zum Anfang der ersten Welle im März haben wir sofort auf Onlineformate umgestellt. Und ein, zwei Monate nachdem das so gut angenommen wurde, hatten viele unserer Mitglieder oder auch die Menschen in den Mitgliedsunternehmen (weil darum geht es) natürlich viele Fragestellungen ganz konkret zu Corona-Aspekten wie: „Wir macht ihr eigentlich das Hygienekonzept?“, „Wo bekommt ihr dann eure Reinigungsmittel her?“, „Wie geht ihr mit dem Homeoffice um?“, „Habt ihr Betriebsvereinbarungen zum mobilen Arbeiten?“ All die Dinge, die am Anfang bei den Menschen in den Unternehmen eine große Verunsicherung erzeugt haben, haben wir versucht sehr schnell in Veranstaltungen, in Formaten zusammenzubringen, so dass man auch ganz schnell innerhalb des Netzwerkes zu einem Lessons-Learned gekommen ist, nach dem Motto, „Oh, so hast du das gemacht, gute Idee, kann ich auch so machen.“ Die erste Welle war so geprägt, dass wir mit solchen konkreten Corona-Formaten auf die Mitglieder zugegangen sind und die Mitglieder das auch eingefordert haben.

    Wir haben Anrufe gekriegt: „Könnt ihr nicht eine Veranstaltung zu dem und dem Thema?“ Das haben wir sehr schnell umgesetzt. Und dann sind wir weitergegangen und haben gesagt: Online wird bleiben, lass uns doch überlegen, was für Standardformate wir anbieten können, und so haben wir zwei Onlineformate entwickelt, die sehr gut ankommen: Einmal „Kurz vor Feierabend“ jeden Mittwoch von 16 bis 17 Uhr mit ganz bunten Themen von Shop-Floor-Management über KI in der Produktion bis Implementierung Warengruppen-Management. Und dann haben wir festgestellt und auch sehr viele Anfragen bekommen: „Mensch, mein Lieferant aus dem Nahen Osten oder aus China ist weggebrochen. Kennt Ihr Netzwerk nicht irgendjemanden, der jetzt hier einspringen kann und meine Lieferantensituation entspannen kann?“ Und so sind wir auf die Idee gekommen, das „NIRO-Schaufenster“ (wir versuchen mit analogen Begriffen zu arbeiten – „Kurz vor Feierabend“ ist auch nicht gerade digital!) zu gründen. Wir haben jetzt ein Schaufensterformat, wo sich unsere Mitgliedsunternehmen mit besonderen Dienstleistungen, mit besonderen Angeboten vorstellen. Wenn sie zum Beispiel eine CNC-Maschine haben, die sie zurzeit nicht auslasten, können sie nun sagen: „O.K., ihr könnt das darauf machen.“ Und diese beiden Formate greifen und haben sich bewährt. Und ich glaube, dass ich sie über die nächsten Jahre erhalten möchte, wenn die Nachfrage besteht. Damit sind wir mit der Krise gut umgegangen, und das haben wir auch zurückgespielt bekommen.

    Die Bedeutung der Regionalität im Netzwerk
    Ich glaube, es hat etwas mit Identität zu tun. Auch das erleben wir in der jetzigen Zeit. Wir identifizieren uns hier schon in der Region mit dem Ruhrgebiet. Es hat doch etwas mit Mentalität zu tun und mit den Menschen, die hier arbeiten. Das spüre ich auch, wenn ich durch die Region fahre und ein Mitgliedsunternehmen sehe. Ich glaube, diesen Gedanken haben auch andere, wenn sie sagen: „O. K., das ist zwar nicht mein Unternehmen, aber da war ich schon, da habe ich mir die Produktion angeguckt oder da war ich auf einem Einkaufstreffen.“ Das hat etwas identitätsstiftendes mit der Region. Wir haben auch eine Auflage, dass wir nicht mehr als 80 Mitglieder haben dürfen und ich glaube, das unterstützt den regionalen Aspekt. Wir wollen die Region weiterbringen und sind auch mit anderen Akteuren aus der Region hier vernetzt, wie der Industrie- und Handelskammer oder der Wirtschaftsförderung, um mit unseren Möglichkeiten ein paar Stückchen dazu beizutragen, dass die Wettbewerbsfähigkeit unserer Region gelingt.
    Darum braucht es trotz digitaler Netzwerke persönlichen Kontakt
    Wir sind und bleiben Menschen, und ich glaube, Menschen arbeiten dann gerne miteinander und auch zusammen, wenn sie den anderen kennen, wenn sie den anderen auch „berechnen“ können, wenn sie wissen, wie der andere tickt, der andere mit bestimmten Situationen umgeht. Und ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, Frau Dippe, aber ich bin jetzt die Online-Veranstaltungen wirklich leid und freue mich auf persönliche Begegnungen, wo ich einfach mehr wahrnehme als nur die Sprache oder vielleicht das Hintergrundbild in einer Zoom- oder Teams-Konferenz. Ich glaube, dass Zusammenarbeit und auch Geschäfte miteinander vertrauensbasiert sind. Es läuft nicht immer alles rund im Leben und das eine oder andere Thema muss man dann beheben. Dann ist es gut, wenn ich den Menschen in die Augen schauen kann und sage auch mit Handschlag: „So mache ich das.“ Und das tut gut und deshalb braucht es uns auch.

    Und es braucht uns auch als Organisation. Der eine oder andere hat vielleicht schon erlebt, dass es Netzwerke gibt: Da tun sich ein paar zusammen und versuchen ein Thema anzugehen. Und sobald der Treiber oder der Initiator nicht mehr da ist, fällt eine Struktur zusammen. Wir müssen immer Energie von außen zuführen, damit die Kommunikation aufrechterhalten bleibt und dass sie gestützt wird. Und das ist die Dienstleistung, die wir als Netzwerkorganisation anbieten. Wir bieten den Raum, den virtuellen Raum wie aber auch den regionalen Raum an, um Erfahrungen auszutauschen, zu lernen und auch beispielsweise gemeinsam einzukaufen.

    Was tut NIRO im Bereich Einkauf für die Mitglieder?
    Das ist sehr gut strukturiert bei uns. Einmal im Jahr kommen unsere Einkaufsleiter zu der Auftaktsitzung zusammen und überlegen, welche Rahmenverträge (mittlerweile haben wir ja über 40) wir in diesem Jahr anfassen wollen, welche optimiert werden sollen, welche auf den Prüfstand gestellt werden, welche das Netzwerk vielleicht noch braucht. Das ist ein partizipativer Vorgang. Dann kommt einfach eine Hitliste raus, d.h. ein Ranking, und man entscheidet sich, was behandelt werden soll. Dann organisiert Ludmila Riewe, unsere Kollegin, die dafür verantwortlich ist, solche Verhandlungsgruppen aus meistens zwei bis drei Einkaufsleitern. Sie entscheiden, welche Lieferanten in die engere Auswahl kommen, mit wem verhandelt wird und letztendlich auch welche Abschlüsse dann zustande kommen. Dass ist schon unterschiedlich zu anderen Einkaufsgenossenschaften, die vielleicht über eigene Einkäufer oder auch große Expertise zu einzelnen Warengruppen verfügen. Wir arbeiten ganz bewusst mit dem Engagement und dem Wissen unserer Einkaufsleiter, so dass wirklich passende Angebote für die jeweiligen Unternehmen von vornherein sichergestellt werden, weil sie handeln natürlich auch im Sinne ihres eigenen Unternehmens und dann zusätzlich noch im Sinne und der Zielsetzung, die das Netzwerk dahinter hat.
    Die Rolle des Einkaufs bei Innovation und Digitalisierung
    Gemischt. Ich glaube gar nicht, dass Innovation oder Digitalisierung unbedingt ein Funktionsbereich ist, der treibt, sondern dass es immer Menschen sind. Wenn ich einen Einkaufsleiter habe, der eine hohe Affinität dazu hat, der hohe Bereitschaft zur Innovation hat, dann treibt er das natürlich. Aber genauso erlebe ich auch Produktionsleiter, die sagen: „Ich möchte da stärker unterwegs sein“ und die treiben das genauso. Ich glaube eher, dass es die gesamte Organisation ist, die sich – mit ihren Führungskräften dahinter – auf den Weg zu digitalisieren macht und dass auf Dauer ein Ungleichgewicht nicht greift. Wenn ich jetzt jemanden in einem Unternehmen habe, der besonders fortschrittlich ist, egal ob das der Einkaufsleiter oder wer auch immer ist, der muss die anderen mitziehen, weil es sonst zu einseitig ist und ich keine Balancesituation in der Organisation habe. Es nützt mir auch nicht, wenn ich Teilbereiche optimiert habe, innoviert habe, und die anderen arbeiten nach wie vor mit dem Fax, um das ein bisschen plakativ zu beschreiben.
    Was wünscht sich NIRO für die Zusammenarbeit mit Mercateo?
    Ich wünsche mir, dass wir so weitermachen, wie wir angefangen haben. Für uns ist Mercateo auch einfach ein Einstieg, vor allem für Unternehmen, die noch nicht so weit in der Digitalisierung im Einkauf sind, um damit anzufangen. Und ich habe Mercateo einfach in einer sehr guten, moderierenden und begleitenden Art und Weise erlebt. Das heißt, wir haben in der Vergangenheit gemeinsame Veranstaltungen gemacht, erst mal überhaupt aufgezeigt, was es soll, was man damit machen kann und wie einfach es auch sein kann. Und Sie kennen das auch: Sie beschäftigen sich mit einem neuen Thema und kommen an einer Stelle nicht weiter und brauchen dann den Experten oder die Expertin. Und da wart ihr einfach immer da und habt die die Mitglieder aktiv auch in ganz kleinen, oft operativen Dingen unterstützt, damit man einfach den nächsten Schritt machen kann. Für mich hat es eine strategische Relevanz, mit Mercateo zusammenzuarbeiten, um einfach die Anfänge zu begleiten, den Leuten Spaß an Digitalisierung und digitalen Prozessen zu machen, und auch uns ein Stück weiter zu öffnen für weitere Themen. Ich glaube, wenn man ein bisschen am Anfang mitkommt, es versteht, das Prinzip erlebt, ist die Bereitschaft auch da, sich für weitere Lernerfahrungen und Themen zu öffnen. Für uns ist das ein super Einstieg – und nicht nur der Einstieg: Wir machen da weiter und haben auch in diesem Jahr einiges vor.

    Mercateo Insights

    Warum lohnt es sich, sich mit anderen zusammenzuschließen? Im Einkauf und auch darüber hinaus. Wir haben im Mercateo Vertrieb nachgefragt.

    B2B News


    Mercateo Initiativen

  • Stark durch Kooperation und Vernetzung – mit dem B2B-Netzwerk Unite
  • Auch wir denken: „Gemeinsam geht mehr“. Mit Unite wollen wir Einkäufer, Anbieter und Partner vernetzen. Sie managen alle Lieferanten über eine Oberfläche und können eigene Lieferanten hinzufügen. Das B2B-Netzwerk bietet Ihnen einen standardisierten, digitalen Einkaufsprozess. Sie bleiben in Ihrer vertrauten Umgebung und nutzen Unite nahtlos über eine Schnittstelle. Hier lesen Sie mehr über den vernetzten Einkauf.

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