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Einkauf als Treiber für die Nachhaltigkeitsstrategie

„Eine dauerhafte Wettbewerbsfähigkeit erreicht man nur noch mit Nachhaltigkeit,“ sagt Yvonne Jamal, Gründerin und Vorstandsvorsitzende des JARO Institut für Nachhaltigkeit und Digitalisierung e. V. Wir haben im Interview mit ihr darüber gesprochen, welche Rolle der Einkauf in der Nachhaltigkeitsstrategie einnimmt, inwiefern Plattformen unterstützen und wie sowohl kleine als auch große Unternehmen konkrete erste Schritte gehen können. Unsere Interviews hören Sie ab jetzt auch auf Spotify, Deezer und allen bekannten Audio-Streaming Anbietern. Außerdem:

  • Insights: Was ist unseren Kunden beim Thema Nachhaltigkeit wichtig?
  • Markttrends: Update Einkaufsaktivität nach Wirtschaftszweigen
  • B2B News: Hintergrundinformationen zur Nachhaltigkeit im Einkauf
  • Mercateo Initiativen: Vernetzung in Leipzig für eine nachhaltigere Beschaffung
  • Experten-Interview

    Yvonne Jamal, Vorstandsvorsitzende JARO Institut für Nachhaltigkeit und Digitalisierung e. V.

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    Die nächste Folge des B2B-Radar erscheint am 08.10.2020.

    Das Interview zum Nachlesen

    Hier können Sie das Gespräch mit Frau Jamal in voller Länge nachlesen.

    Was tut das JARO Institut?
    Das JARO Institut möchte ganz klar erreichen, dass das nachhaltige Handeln zum Standard in der Wirtschaft wird und dafür tun wir eine ganze Menge. Der große Fokus liegt natürlich auf der Wissensvermittlung. Das ist auch unser Satzungszweck. Sprich, ich trete als Speaker auf, wir machen Workshops, wir machen Trainings. Wir haben auch eigene Publikationen oder beteiligen uns an anderen. Und wir vernetzen ganz gezielt die verschiedenen Stakeholder: die Wirtschaft, die Politik, die Wissenschaft und die Zivilgesellschaft. Damit man gemeinsam an diesen Zielen für eine nachhaltige Entwicklung arbeitet und nicht nur übereinander redet, sondern miteinander. Und damit das Ganze dann auch in konkrete Handlungen überführt wird, unterstützen wir auch Unternehmen und Organisationen, Nachhaltigkeitsprojekte aufzusetzen und zu planen. Diese begleiten wir aber auch und helfen ihnen ganz konkret in der Umsetzung. Und insgesamt haben wir da drei strategische Themen oder drei Themen, die wir uns sehr stark fokussieren. Das eine ist die nachhaltige Beschaffung, aber auch den nachhaltigen Tourismus und die nachhaltige Digitalisierung.
    Die Rolle des Einkaufs in der Nachhaltigkeitsstrategie
    An Nachhaltigkeit kommt heutzutage kein Unternehmen mehr vorbei. Ein nachhaltiges Unternehmen kann auch nur nachhaltig sein, wenn es eine nachhaltige Beschaffung hat. Eine nachhaltige Lieferkette. Die Beschaffungsfunktion, also der Einkäufer, ist der Multiplikator schlechthin. Er hat ja einen riesen Einfluss auf die Lieferkette zu den Lieferanten hin. Der Einkauf steuert die Nachfrage. Also wenn ich jetzt allein auf die BME-Mitglieder schaue, ich bin ja selber im BME engagiert.

    Allein die BME-Mitglieder haben jährlich 1, 25 Billionen jährlich an Einkaufsvolumen, was sie damit vergeben. Und jedes Unternehmen ist ja nicht nur Anbieter von Produkten, sondern auch Einkäufer und hat damit einen enormen Hebel, Nachhaltigkeitssignale in die Wirtschaft zu geben und nimmt eine absolute Schlüsselfunktion ein. Und wenn man sich jetzt zum Beispiel mal ein mittelständisches Unternehmen anschaut, vielleicht schon ein bisschen größerer Mittelständler, der vielleicht im Schnitt 5000 Lieferanten hat, auf Level eins wohlgemerkt, also T eins. Und wenn man jetzt davon ausgeht, dass dieses Unternehmen circa hundert Mitarbeiter hat, also jeder dieser Lieferanten, kommt man schon mal auf 500 000 Menschen, deren Leben man quasi beeinflusst durch Einkaufsentscheidungen.

    Wenn man davon ausgeht, dass gerade im globalen Süden viele Familien nur einen Verdiener haben und ein Angestellter von einem Lieferanten gleich zehn Familienmitglieder mitversorgt, kommt man schnell auf fünf Millionen Menschen, deren Leben man beeinflussen kann, indem man zum Beispiel existenzsichernde Löhne bezahlt und sicherstellt, dass die von den Lieferanten eingehalten werden, bezahlt werden und die sind gleichzeitig auch das beste Mittel, um Kinderarbeit vorzubeugen. Ich kenne viele Einkäufer, die entsprechend diesen Code of Conduct eingeführt haben, in dem sie ihre Lieferanten verpflichten, entsprechende Kriterien einzuhalten, unter anderem Kinderarbeit zu verbieten.

    Aber das allein reicht bei weitem nicht aus. Und der Einkauf hat einen viel, viel größeren Hebel. Und wenn man auf die Umweltseite schaut, also auf die ökologische Dimension, dann geht es vor allem um den ökologischen Fußabdruck, den der Einkauf hat. In der Regel sind es gerade mal 15 bis 20 Prozent der CO2-Emissionen, wenn man sich die rausgreift, die direkt vom Unternehmen verursacht werden beziehungsweise durch den Energieeinkauf, also Scope eins und zwei, für die die sich damit schon näher auskennen. Die große Masse, zum Teil bis zu 80 Prozent, entstehen aber im Rahmen der Lieferkette.

    Deswegen ist es so wichtig, dass man seine Lieferanten entsprechend sensibilisiert, dass man sie aber auch dabei unterstützt, dass man sein Wissen mit ihnen teilt und auch ganz gezielte Anreize für eine nachhaltige Entwicklung gibt.

    Worum geht es bei dem neuen Lieferkettengesetz?
    Kann ich gerne, und zwar geht es eigentlich nur darum, Verantwortung für die Lieferkette zu übernehmen. Es wird ja von vielen verteufelt oder heiß diskutiert, wie das denn funktionieren soll. Letztendlich soll man den unternehmerischen Sorgfaltspflichten nachkommen. Dieser Gesetzesentwurf selber ist ja noch nicht kommuniziert. Der ist aktuell noch in Erarbeitung. Deswegen kann man darüber auch wirklich nur spekulieren. Es wurde schon verlautbart, dass es immer um die Zumutbarkeit und Machbarkeit geht. Es gibt auch bereits andere nationale Gesetze, zum Beispiel in UK oder den Niederlanden oder in Frankreich, die solche nationalen Gesetze schon umgesetzt haben. Und auch auf EU-Ebene wird natürlich über ein Sorgfaltspflichtengesetz diskutiert. Dabei gibt es eigentlich immer fünf Kernelemente, auf die es ankommt, was ein Unternehmen machen muss. Das eine ist, dass man eine Grundsatzerklärung zu den Menschenrechten abgibt, dass man die akzeptiert, dass man die einhält.

    Das andere ist, dass man eben ein Verfahren, eine Methodik entwickelt oder einen Prozess etabliert, der Risiken hinsichtlich der Menschenrechte identifiziert. Im Einkauf ist es dann ganz gezielt, dass man sich anschaut, welche Warengruppen beschaffe ich eigentlich? Und in welchen Märkten bin ich denn unterwegs? Was sind meine Beschaffungsmärkte? Und welche davon sind vielleicht sowieso schon ein bisschen „red flag“, also sind da schon sensibel für das Thema Menschenrechte. Und wenn es da vielleicht schon viele Menschenrechtsverletzungen gibt, kann man in dem Fall entsprechend priorisieren und schaut, welche konkreten Maßnahmen man treffen kann, um mit den Lieferanten und Vorlieferanten gezielt ins Gespräch zu gehen und dort entsprechende Maßnahmen einzuleiten, um diese Risiken zu überprüfen und dort Abhilfe zu schaffen.

    Und dann natürlich auch im nächsten Schritt regelmäßig dazu zu berichten, was ich da alles getan habe. Und auch Beschwerdemechanismen zu etablieren, damit Möglichkeiten bestehen, für Menschen in dieser Lieferkette, denen dann Unrecht getan wurde, sich entsprechend beschweren zu können, um dann dort entsprechend auch Abhilfe zu leisten. Das sind Sachen, die sind durchaus umsetzbar. Es gibt Unternehmen die das bereits tun, mit denen man sich auch gerne mal austauschen kann, die eigentlich auch alle bereitwillig ihr Wissen teilen.

    Dieser ganze Prozess oder diese Vereinbarung des Nationalen Aktionsplans für Menschenrechte, der von der Bundesregierung 2016 vereinbart wurde, ist ja in Zusammenarbeit mit Vertretern der Wirtschaftsverbände wie dem BDA, dem BDI, dem DIHK, mit Verbänden der Nichtregierungsorganisationen und anderen Vertretern gemeinsam entwickelt worden. Das stand schon seit vier Jahren fest. Wer da jetzt überrascht ist, hat in den letzten vier Jahren vielleicht das eine oder andere versäumt, schon in die Wege zu leiten. Es werden ganz viele hilfreiche Informationsmittel zur Verfügung gestellt, die auch kostenfrei auf der Seite des Bundesministeriums zu finden sind. Wer da noch mehr wissen will, kann ja gerne auf uns zukommen.

    Nachhaltigkeit während der Corona-Krise
    Ja, verschwunden wahrscheinlich nicht, aber verschoben schon. Wir merken natürlich, dass im Kampf ums Überleben der einzelnen Unternehmen das Thema schon deutlich nach hinten priorisiert wurde und man dann sagt, lassen wir erstmal schauen, dass wir über die Runden kommen und nächstes Jahr nehmen wir das Thema wieder auf. Aber was sich während Corona herausgestellt hat, ist, dass nachhaltige Lieferketten eindeutig resilienter sind, widerstandsfähiger sind. Wenn ich mit meinem Lieferanten entsprechend fair umgegangen bin, ihn fair bezahle und auch nicht gleich sofort alle Aufträge mit ihm stoppe und storniere. Dann wird mein Lieferant auch in solchen Krisenzeiten ganz anders mit mir an einer Lösungsfindung arbeiten und Versorgungssicherheit gewährleisten. Es geht bei einer dauerhaften Wettbewerbsfähigkeit nur noch mit Nachhaltigkeit. Sobald man sich den Arbeitsmarkt anschaut und den Fachkräftemangel, sobald man sich anschaut, was an staatlichen Regulierungen geplant ist, wie sich im Bereich Sustainable Finance die Sachen verändern. Die Frage der Nachhaltigkeit ist nicht, ob sie noch kommt und ob ich mich als Unternehmen damit auseinandersetzen muss, sondern die Frage ist, wie ich das tue. Wie ernsthaft ich das tue und vor allem, wann ich es tue, dass es dann nicht schon zu spät ist, weil man Wettbewerber dann schon an mir vorbeigezogen ist. Es geht ganz klar darum, sich jetzt Gedanken zu machen, Chancen zu erkennen und sich nicht immer nur auf die Risiken zu konzentrieren. Viele betreiben das Thema Nachhaltigkeit und nachhaltige Beschaffung vor allem aus der Risikoperspektive heraus oder um einfach wieder den nächsten kommenden Gesetzen zu entsprechen.

    Aber man muss auch einfach sehen, dass sich da ganz neue Geschäftsfelder ergeben. Wenn man die Innovationskraft der Lieferanten nutzt und seine Schwachstellen kennt, die man in der Lieferkette oder im eigenen Produkt hat, dass man dann ganz gezielt an der nachhaltigen Gestaltung arbeiten kann und damit ganz neue Marktpotenziale erschließen kann. Ich glaube, das muss man tatsächlich erst mal so für sich als Unternehmen verstehen und entsprechend priorisieren, dass man dort aktiv wird und dass man dort einen gewissen Spielraum bekommt als Einkauf. Wenn man dann das Verständnis entwickelt hat, dass wir tatsächlich nur endliche Ressourcen haben – wir verbrauchen ja jetzt schon fast drei Planeten mit unserem aktuellen Konsum – wenn man versteht, dass die Wirtschaft immer eingebettet ist in die Gesellschaft, in der letzten Endes der Mensch als Arbeitnehmer und auch als Kunde steht. Ohne die Gesellschaft könnte kein Unternehmen existieren, dann könnte es seine Produkte nicht verkaufen und hätte auch niemanden, der sie herstellt. Und wenn man dann noch versteht, dass diese Gesellschaft oder der Mensch ohne die Umwelt nicht existieren kann, denn wir brauchen saubere Luft, sauberes Wasser. Wir brauchen die Ökosysteme, die uns letzten Endes mit Nahrungsmitteln versorgen bzw. die Rohstoffe dafür liefern. Das macht eigentlich nur klar, dass dieses Thema Nachhaltigkeit unbedingt jede Beschaffungsstrategie reingeht, um einfach auch zukunftsfähig aufgestellt zu sein.

    Wie können Plattformen nachhaltige Beschaffung unterstützen?
    Ich finde eine sehr große Rolle, weil die Plattformökonomie natürlich immer weiterwächst. Es gibt ganz viele Startups in diesem Bereich. Schauen wir uns an, die meisten Startups die gegründet werden, werden eher von jungen Leuten gegründet. Und jüngere Leute interessieren sich massiv für das Thema Nachhaltigkeit, einfach schon im Eigeninteresse heraus, weil sie natürlich auch noch ein gutes Leben haben wollen. Das größte Thema, was da eine Rolle spielt für jede Plattform, ist das Thema Transparenz, also verantwortungsvoller Umgang mit Daten, mit Datenschutz, auch vor allem mit Energieverbräuchen.

    Auch der Fußabdruck der eigenen Plattform und das Thema Transparenz. Die Daten, die ich dort zur Verfügung stelle, woher kommen die? Und wenn wir jetzt speziell auf den Einkauf schauen und auf Einkaufsinformationen, dann kennt man ja vielleicht zum Beispiel diesen Büroartikelhersteller Memo, die das schon sehr vorbildlich machen und dort detailliert Nachhaltigkeitsinformation zur Verfügung stellen. So etwas kann natürlich auch Mercateo in die Wege leiten und entsprechende Maßnahmen dafür einleiten, dass da auch mehr Informationen zu Vorlieferanten, zur Nachhaltigkeitsleistung von Produkten und Lieferanten geben werden. Gleichzeitig kann man durch entsprechendes Look and feel dafür sorgen, dass auch die Besteller schon sensibilisiert werden. Sehr proaktiv, zum Beispiel Empfehlungen zu bekommen zu nachhaltigeren Produkten, wo man vielleicht auch gewisses Zusatzwissen mit an die Hand gibt zum Beispiel zu bestimmten Warengruppen. Für den Einkauf ist natürlich immer essenziell, dass man die Reporting-Funktion entsprechend anpasst, damit der Einkauf seine Nachhaltigkeitsleistung, indem er zum Beispiel nachhaltige Produkte ausgewählt hat und nachhaltiger beschafft hat, entsprechend reporten kann und das dann wiederum in den Nachhaltigkeitsbericht des Unternehmens einfließen kann.

    Wenn man da jetzt wieder ein Beispiel herausgreifen möchte, die AFB zum Beispiel, die sich um ausrangierte IT von Unternehmen kümmert und sie wiederaufbereitet und neu in den Verkauf bringt oder in die Nutzung bringt, die stellen den Unternehmen zum Beispiel ein Zertifikat am Ende aus und sagen „ihr habt jetzt dadurch, dass ihr IT fachgerecht entsorgt habt, den Lebenszyklus verlängert habt und so weiter, so und so viel CO2 eingespart. Dann bekommen die ein Zertifikat dafür, was sie dann wieder in ihrer Kommunikation nutzen können. Das sind Funktionen, die man als Plattform wunderbar mit anbieten könnte.

    Erste Schritte in Richtung einer nachhaltigen Beschaffung
    Es sind immer vier Schritte, die wir empfehlen. Der erste Schritt ist tatsächlich erstmal, sich eine Grundlage zu schaffen. Wenn ich mich mit dem Thema auseinandersetzen möchte, dann muss ich mich natürlich erstmal informieren. Und da gibt es schon sehr viele Informationen, die frei verfügbar sind. Es gibt zum Beispiel diverse Leitfäden, die kann man auch bei uns auf der Seite finden. Der Leitfaden für nachhaltige Beschaffung oder unsere Handlungsempfehlungen für eine nachhaltige Beschaffung.

    Es geht darum, Verbündete zu finden. Einfach auch, um die Geschäftsleitung zu überzeugen. Wenn man nicht ohnehin den Auftrag von der Geschäftsleitung bekommen hat, dass man intern schaut, wer sind denn jetzt mein Stakeholder. Wer hat vielleicht neben mir auch ein Interesse daran, dass sich mein Unternehmen nachhaltiger aufstellt. Das kann also die Personalabteilungen sein, die natürlich deutlich einfacher Personal wieder neu gewinnen kann bzw. das bestehende Personal leichter halten kann, weil man sich besser mit dem Unternehmen identifizieren kann. Es geht aber auch um den Vertrieb ganz massiv, der natürlich damit auch deutlich besser rausgehen kann und besser verkaufen kann, wenn er entsprechende Nachhaltigkeitsinformation und Leistungen anbieten kann. Es geht aber auch um das Qualitätsmanagement, um die Rechtsabteilungen und viele andere Bereiche. Um das Marketing. Ganz klar, das ist ja leider bei vielen noch angedockt das Thema Nachhaltigkeit. Sich mit denen zusammenzutun und gemeinsam zu überlegen: Was ist jetzt der Vorteil für unser Unternehmen? Da hat man auch automatisch quasi ein Business Case für sein Unternehmen, wenn man festlegt, welche Abteilungen welche Vorteile haben.

    Und dann geht es natürlich darum, ganz genau zu schauen, wo liegen unsere größten Risiken, wo sind unsere größten Chancen? Was sind für uns die wesentlichen Handlungsfelder, in denen wir aktiv werden sollten, um dann daraus Ziele abzuleiten. Das ist der erste Schritt in die Grundlagen.

    Wenn man das gemacht hat, geht es speziell für den Einkauf darum, das ganze Thema Nachhaltigkeit in den gesamten Beschaffungsprozess zu integrieren. Es ist eben nicht damit getan, nur den Code of Conduct von den Supplyern unterschreiben zu lassen, sondern da geht es wirklich darum, die komplette Strategie anzupassen, sich ein komplettes Nachhaltigkeitsprogramm zu überlegen und abzuleiten, seine Richtlinien anzupassen, allgemeine Einkaufsbedingungen und Verträge anzupassen mit konkreten Nachhaltigkeitsklauseln. Das ganze Thema Nachhaltigkeit auch in die Bewertungsmatrix zu überführen. Bei den Zahlungszielen mal kritisch draufzuschauen. Ein Zahlungsziel von 180 Tagen ist für den Lieferanten alles andere als nachhaltig. Auch Qualifizierungsbögen für die Lieferanten entsprechend zu überarbeiten, indem man diese Nachhaltigkeitsinformation abfragt, wobei das schon recht viele tun.

    Diese Daten dann entsprechend auch zu nutzen und dann als dritten Punkt den Lieferanten auch ganz gezielt aktiv einzubinden. Nicht nur von oben nach unten bestimmte Sachen durchzudrücken, das muss man sicherlich auch an vielen Stellen. Aber ganz gezielt auch den Lieferanten um Vorschläge, um Ideen bitten. Der hat ja auch durch die vielen anderen Kunden, die er betreut, auch schon seine Erfahrungswerte. Er weiß auch, was in seiner Branche an Innovationen gibt, um dort wirklich die Innovationskraft zu stärken. Sich außerdem die ganze Form der Lieferantenbewertung anzuschauen. Gezielte Entwicklungsmaßnahmen für Lieferanten einzuleiten, zum Beispiel zum Thema Menschenrechte und Ökologie zu schulen. Und wie gesagt, dann da auch ganz gezielt Anreize zu schaffen für den Lieferanten, dass er sich nachhaltiger entwickelt, zum Beispiel durch längerfristige Verträge, durch größere Abnahmemengen. Vielleicht sogar durch Awards, die er dann gewinnen kann, wenn er sich entsprechend nachhaltig aufstellt. Er sollte entsprechende Referenzen bekommen, die er für sein Marketing nutzen kann. Das hat einen riesen Effekt auf die Lieferanten, sich da entsprechend zu engagieren.

    Am Ende muss es natürlich in einem vierten Schritt im Rahmen der Erfolgskontrolle mit entsprechenden Kennzahlen gemessen werden. Man kann Nachhaltigkeit durchaus messen an vielen Stellen und sich da wirklich neue Kennzahlen auszudenken, je nachdem, wo man seinen Schwerpunkt setzt. Ob das jetzt CO2 ist, ob das jetzt das Thema existenzsichernde Löhne ist oder ob das komplett andere Themen sind. Da sollte man sich auch den gesamten Beschaffungsprozess anschauen und dann dabei natürlich auch immer die planetaren Grenzen und die Menschenrechte im Blick haben und sich da auch wirklich mit NGOs zum Beispiel abstimmen und sich durchaus Feedback holen. Sich sagen: „Mensch, das haben wir uns jetzt vorgenommen. Das macht man ja im Idealfall schon am Anfang, wenn man sich seine Handlungsfelder identifiziert. Sich dann anschaut, wo sind denn jetzt die größten Hebel? Konzentriere ich mich auch wirklich auf das Wichtigste, wo ich den größten Impact, den größten Einfluss habe? Und da sind auch NGOs, in Stakeholder-Dialogen, wunderbare Gesprächspartner und absolute Wissensträger, die ganz gezielt auch sagen können, wo es weh tut und auch super unterstützen können, die man auch ganz gezielt in Projekte entsprechend einbinden kann und die dann auch dabei helfen, dass man die entsprechenden Kennzahlen dafür findet.


    Mercateo Insights

    Was ist unseren Kunden beim Thema Nachhaltigkeit wichtig? Wir haben uns umgehört.

    • Der öffentliche Druck sorgt dafür, dass das Thema „Nachhaltiger Einkauf“ auf die Agenden kommt. Die Corona-Krise hat das Thema zwar langsamer gemacht, das Bewusstsein für die eigenen Lieferketten aber geschärft.
    • Bei den umsatzstarken Kernbedarfen ist Nachhaltigkeit in den meisten Unternehmen auf der Tagesordnung, im indirekten Einkauf wird sie oft noch vernachlässigt. Der Einkauf kann das Zugpferd für die Nachhaltigkeitsstrategie im ganzen Unternehmen sein.
    • Plattformen können den indirekten Einkauf unterstützen, indem sie Filter- und Sortiermöglichkeit für „Nachhaltigkeit“ einrichten, Lieferanten kennzeichnen, die Warenkorboptimierung erweitern und nicht nur Artikel, sondern auch die Logistik dahinter transparent machen.
    • Wie sind Ihre Erfahrungen, was wünschen Sie sich von uns zum Thema Nachhaltigkeit? Schreiben Sie uns! radar@mercateo.com

    Mercateo Markttrends

    Auch beim Blick auf die internen Transaktionsdaten der Mercateo Plattform schauen wir heute wieder auf die Einkäufer-Seite: Wie entwickelte sich die Einkaufsaktivität in den vergangenen Wochen vor dem Hintergrund von Krisenerholung und Ferien?

    Diese Daten haben wir seit März 2020 kontinuierlich ausgewertet; zuletzt am 09.07.2020. Die heutige Grafik schließt daran an und zeigt, wie sich die Einkaufsaktivität in den verschiedenen Wirtschaftszweigen seit dem 15.07.2020 verändert hat. Pro Wirtschaftszweig ist durch die drei aufeinanderfolgenden Pfeile sichtbar, ob es in den aufeinanderfolgenden 14-Tages-Abschnitten rauf oder runter gegangen ist. Insgesamt ist damit das Entwicklungsbild über die letzten acht Wochen ablesbar.

    Hierbei ergibt sich das Bild einer Seitwärtsentwicklung. Darin zeigt sich insgesamt eine deutliche Beruhigung der durch den akuten Lockdown ausgelösten extremen Schwankungsdynamik. Zugleich liegt darin ein positives Entwicklungssignal, da mit den Sommerferien-Monaten im B2B typischerweise ein deutliches saisonales „Sommerloch“ einhergeht. Das äußert sich normalerweise in einem Abwärtstrend für Juli und August. Das ist diesmal nicht offensichtlich, was auf eine darunterliegende leichte Gesamterholung deutet.

    B2B-typisch sind im Herbst deutliche saisonalen Aufwärtseffekte zu erwarten, hin auf das umsatzstarke B2B-Jahresendgeschäft im Oktober und November. Wir rechnen daher für die nächsten Wochen mit einem weiteren leichten Aufwärtstrend, der mehr von saisonalen Effekten getragen wird, als von pandemiebezogenen Wirkungen. Im Sinn der Rückkehr der Entwicklung in bekannte Muster bewerten wir das grundsätzlich optimistisch in der Hoffnung, dass wir uns ein zweiter Lockdown erspart bleibt.

    Veränderung der Einkaufsaktivität nach Wirtschaftszweigen

    B2B News


    Mercateo Initiativen

  • Nachhaltig einkaufen bei Leipzig vernetzt
  • Regionale Vernetzung ist nur einen Klick entfernt. Die Stadt Leipzig fördert mit ihrer E-Commerce-Plattform „Leipzig vernetzt“ Geschäftsbeziehungen vor Ort und damit eine nachhaltigere Beschaffung. Und wir unterstützen diese Initiative vor unserer Haustür mit der Infrastruktur von Unite. Die Initiative ermöglicht es Leipziger Unternehmen, ihr Geschäft unkompliziert zu digitalisieren, ihre eigenen Lieferanten mitzubringen und regional einzukaufen.

    Die nächste Folge des B2B-Radar erscheint am 08.10.2020.

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